#39 Warum dir Komplimente annehmen schwerfällt – und wie du es Schritt für Schritt lernen kannst

Komplimente annehmen
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Komplimente annehmen – klingt einfach, oder?
Doch genau hier geraten viele Menschen ins Stolpern.

Vielleicht bekommst du ein ehrliches Lob und wirst rot?
Du hörst ein „Das hast du richtig gut gemacht“ und relativierst diese Aussage sofort oder antwortest mit: „Ach, das war doch nichts.“

Was wir dabei oft übersehen:
Wenn wir ein Kompliment sofort kleinmachen oder relativieren, nehmen wir dem anderen ein Stück der Freude am Geben.

Und Komplimente sind keine Nebensache.
Sie berühren etwas ganz Zentrales, nämlich deinen Selbstwert, deine innere Haltung und deine Beziehung zu dir selbst.

In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, warum es dir möglicherweise schwerfällt, Komplimente anzunehmen, und wie du Schritt für Schritt lernen kannst, sie wirklich bei dir ankommen zu lassen.

Das ist eine ganz besondere Form von innerer Kommunikation, und sie wird dir helfen, dich souveräner und zufriedener zu fühlen.

 

Komplimente annehmen – warum das mehr mit deinem Selbstwert zu tun hat, als du denkst

Wenn wir über Komplimente annehmen sprechen, geht es nicht nur um Höflichkeit. Es geht um deine Fähigkeit, dich selbst als wertvoll zu betrachten und deinen Wert zu kennen.

Ein Kompliment ist im Grunde immer ein Spiegel.
Jemand sieht etwas Positives in dir und bietet dir diese Wahrnehmung als Bild von dir an.

Die Frage ist:
Kannst du dieses Geschenk annehmen?
Oder schaust du weg?

Viele Menschen können Lob nur schwer annehmen, weil es innerlich nicht mit dem eigenen Selbstbild übereinstimmt.
Wenn es ein völlig anderes Selbstbild gibt, dann denken wir, die andere Person würde sich täuschen oder die Unwahrheit sprechen.

Also, wenn dein innerer Dialog sonst eher kritisch ist, dann fühlt sich ein Kompliment fast fremd und unwirklich an.
Und genau hier liegt der Schlüssel.

 

Warum es dir schwerfällt, Komplimente anzunehmen

Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt:

Warum kann meine Freundin oder mein Kollege gut Komplimente annehmen, aber ich nicht?

 

Hier sind einige typische Gründe:

Falsche Bescheidenheit

Vielleicht hast du in der Kindheit oder in der Vergangenheit gesagt bekommen „Sei nicht eingebildet.“ oder „Dräng dich nicht in den Vordergrund.“
Du hast gelernt, dass es kein gutes Benehmen ist, die eigenen Fähigkeiten nach draußen zu tragen und dafür vielleicht noch ein Lob zu bekommen.

Also spielst du Komplimente herunter und lässt sie nicht zu groß wirken – aus Angst, als arrogant abgestempelt zu werden.

Doch Bescheidenheit darf nicht bedeuten, den eigenen Wert zu leugnen.
Dein Wert darf sichtbar sein und werden, ohne dass du dich damit schlecht fühlst.

 

Selbstzweifel

Wenn du innerlich häufig denkst,

„Ich bin nicht gut genug.“
„Andere können das viel besser.“
„Das war nur Glück.“
„Dieser Erfolg ist nur zufällig entstanden.“

dann fühlt sich ein Kompliment insgesamt nicht stimmig an.
Du kannst es nicht integrieren, du kannst es nicht annehmen, und so beginnst du automatisch, es abzuwehren.

 

Fehlende Übung

Ja, auch das ist ein Punkt.
Viele Menschen haben schlicht nie gelernt, Lob anzunehmen.
Und eventuell fehlt dir auch einfach die Übung, denn nur wenn wir etwas häufig erleben und lernen, damit klarzukommen, fühlt es sich für unseren Körper irgendwann sicher an.

Komplimente annehmen lernen ist wie ein Muskeltraining.
Am Anfang fühlt es sich ungewohnt an und mit der Zeit wird es immer selbstverständlicher. Außerdem kann es richtig Spaß machen, denn du kannst sehen, dass sich auch dein Gegenüber freuen wird, wenn du ein Kompliment von Herzen annehmen kannst.

 

Angst vor Erwartungen

Manchmal steckt auch dieser Gedanke dahinter:
„Wenn ich das Kompliment annehme, muss ich diesem Bild künftig entsprechen.“

Also wehrst du ein Kompliment vielleicht gleich direkt ab, um den Druck nicht auf deinen Schultern zu spüren.

Doch ein Kompliment ist kein Vertrag und verpflichtet dich zu nichts.
Weder dazu, immer perfekt zu sein oder durchgängig dieselbe Leistung abzurufen, noch dazu, andere mit deinem Aussehen, Verhalten oder deiner Energie grundsätzlich glücklich zu machen.

Es ist eine Momentaufnahme – nicht mehr und nicht weniger.

 

Was passiert allerdings, wenn du Komplimente ständig abwehrst?

 

Vielleicht denkst du: „Ist doch nicht so schlimm, andere können das eben besser und andere schlechter.“?

Doch tatsächlich hat es Auswirkungen darauf, wie du über dich denkst, wie du handelst und wie du mit Komplimenten umgehst:

Denn du schwächst dein Selbstwertgefühl.
Du unterbrichst positive Beziehungsmomente und du sendest (unbewusst) das Signal: „Das stimmt nicht, du täuscht dich.“

Und manchmal fühlt sich dein Gegenüber sogar zurückgewiesen.
Nicht, weil du es böse meinst, sondern weil Wertschätzung immer auch Beziehung ist.

Doch ein ehrliches Kompliment ist ein Geschenk, und dieses Geschenk ist wertvoll.
Wenn du es nicht annimmst, kann es sich für den anderen so anfühlen, als würdest du es ablehnen (und vielleicht sogar die Person ablehnen).

 

Komplimente annehmen lernen – 5 Schritte, die dich stärken

 

Jetzt möchte ich dir ein paar ganz konkrete Schritte mitgeben, wie du Komplimente annehmen lernen kannst, ohne dich zu verbiegen.

 

1. Erkenne deine automatische Reaktion

Bevor du etwas veränderst, darfst du wahrnehmen, wie du dich sonst immer verhältst, wenn du ein Kompliment bekommst.

Beobachte und frage dich:

  • Relativierst du es und spielst es herunter?
  • Machst du sofort ein Gegenkompliment und lenkst ab?
  • Wechselst du sogar das Thema?
  • Du lachst verlegen, wirst rot im Gesicht und strahlst Unwohlsein aus?

Werde dir bewusst, wie dein Muster aussieht. Allein diese Wahrnehmung verändert bereits etwas und ist auf jeden Fall der erste Schritt in Richtung Veränderung.

 

2. Übe „Danke“ zu sagen, ohne dich schlecht zu fühlen

So schlicht und doch so wirkungsvoll kann ein klares, ruhiges DANKE sein.

Ohne Erklärung, ohne Relativierung und ohne ein „Aber“.

Du kannst auch noch etwas dranhängen wie „Ich freue mich“ oder „Wie schön, dass es dir aufgefallen ist“, aber vor allen Dingen darfst du erst einmal üben „Danke“ zu sagen.

Und zwar immer wieder.
Vor dem Spiegel.
Mit einer Freundin.
Im Alltag.

Je öfter du es sagst, desto natürlicher wird es sich anfühlen.

 

3. Lass das Kompliment erst einmal innerlich wirken

Das ist der Schritt, den viele überspringen.
Wenn dir jemand sagt „Du hast das wirklich großartig gemacht, dann halte einen Moment inne und spüre in dich hinein:

Was macht das mit mir?
Wo im Körper nehme ich etwas wahr?
Kommt Freude auf? Scham? Widerstand? Zufriedenheit? Dankbarkeit?

Komplimente annehmen bedeutet auch, sie emotional zuzulassen, und das ist manchmal gar nicht so leicht.

 

4. Hinterfrage deine inneren Glaubenssätze

Glaubenssätze sind tief sitzende Überzeugungen über andere Menschen, Situationen oder uns selbst. Sie leiten uns oft unbewusst und führen uns in eine Richtung, die uns vielleicht gar nicht guttut.

Wenn es dir schwerfällt, Lob anzunehmen, dann frage dich immer:

  • Welche Überzeugung steckt eigentlich dahinter?
  • Wo habe ich gelernt, dass Lob etwas Schlechtes ist?
  • Warum glaube ich, dass ich das Lob nicht verdient habe?

Meistens sind es alte Stimmen aus der Vergangenheit, die noch mitsprechen, und deshalb ist es wichtig, sie liebevoll zu überprüfen.
Zusätzlich darfst du dir die Erlaubnis geben, ein ehrlich gemeintes Lob auch wirklich anzunehmen – ganz ohne schlechtes Gewissen oder ein komisches Gefühl.

 

5. Verbinde Komplimente mit einem schönen Bild

Ein Kompliment sollte dich nicht definieren, aber es wirkt sich auf jeden Fall positiv auf dein Selbstwertgefühl aus.
Gerade unser Gehirn arbeitet stark mit inneren Bildern. Wenn du ein Kompliment bewusst mit einem positiven Bild verknüpfst, speicherst du diese Erfahrung nachhaltiger ab.
Suche dir ein schönes Bild aus, welches mit einer positiven Erinnerung verknüpft ist, und lasse folgende Gedanken ganz bewusst zu:

„Das habe ich gut gemacht.“
„Darüber bin ich sehr dankbar.“
„Ja, da habe ich richtig gut ausgesehen.“
„Ich darf stolz auf mich sein.“

Wenn du dir jetzt vorstellst, von einer Freundin oder von einem Freund ein Kompliment zu bekommen, dann sage zu dir selbst:

„Vielen Dank! So eine Anerkennung freut mich sehr und ich habe sie mehr als verdient.“

Das fühlt sich zu Beginn vielleicht noch etwas seltsam an, aber ein positives Selbstwertgefühl entsteht durch innere Arbeit und dadurch, dass du positive Rückmeldungen integrierst.

In „Mehr Harmonie und Lebensfreude, mehr ICH“ arbeiten wir auch an dem Thema „Selbstwert“.

 

Anna Ludwig
Anna Ludwig

Wenn du mehr erfahren möchtest, dann schau hier auf die Seite und buche dir ein kostenfreies Erstgespräch:

https://coaching-ludwig.com/lifecoaching/

 

Eine kleine Übung für deinen Alltag

Führe für einen Monat ein kleines „Wertschätzungsprotokoll“.

Notiere dir ein paar Gedanken zu folgenden Fragen:

  • Welche Komplimente habe ich bekommen?
  • Wie habe ich reagiert?
  • Was hätte ich stattdessen sagen wollen?

Allein diese bewusste Auseinandersetzung stärkt deine innere Kommunikation.

 

Komplimente geben – und warum das genauso wichtig ist

Vielleicht hast du es auch schon erlebt?
Du machst jemandem ein ehrliches Kompliment und es wird sofort abgewehrt.

Deshalb auch hier ein kleiner Impuls:

Wenn du selbst Komplimente gibst, dann sei ehrlich, möglichst konkret und beschreibe nach Möglichkeit das Verhalten oder die Situation.
Am besten vermeidest du dabei starke Übertreibungen, denn die haben meistens zur Folge, dass der andere dir nicht glauben kann.

Statt „Du bist toll.“ könntest du sagen:
„Ich finde beeindruckend, wie ruhig du in dieser Situation geblieben bist.“

Das macht Wertschätzung greifbarer und dein Gegenüber kann das Geschenk, welches du ihm machen möchtest, besser annehmen.

 

Komplimente annehmen ist innere Arbeit

Am Anfang fühlt es sich vielleicht komisch an, denn ein Lob anzunehmen, bedeutet auch dich sichtbar zu machen und deinen Wert bzw. deine Größe anzuerkennen.

Und das ist für viele Menschen ungewohnt.
Doch genau hier beginnt deine Entwicklung, denn jedes ehrliche Kompliment sagt im Grunde: „Ich sehe dich.“

Und vielleicht ist es an der Zeit, dass auch du beginnst, dich selbst mit freundlicheren Augen zu betrachten – nicht nur, wenn andere dich loben, sondern auch dann, wenn du alleine bist.

Herzlichst

Anna Ludwig

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