Du gibst dir jede Mühe, deiner Partnerin oder deinem Partner zu zeigen, wie viel sie oder er dir bedeutet, und trotzdem hörst du immer wieder: „Ich fühle mich nicht wirklich geliebt.“
Oft liegt das Problem nicht an einem Mangel an Liebe, sondern an der „falschen“ Liebessprache.
Genau darum geht es in einem der einflussreichsten Bücher über Beziehungen überhaupt:
„Die 5 Sprachen der Liebe“ von Gary Chapman.
Ich habe es gelesen und habe viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen, die mir gezeigt haben:
Beziehungen können sich so sehr zum Positiven entwickeln, wenn wir wissen, wie wir selbst Liebe empfangen und an die andere Person geben können, damit diese sie gut annehmen kann.
In diesem Artikel möchte ich dir dieses Konzept näherbringen und zeigen, warum es so viel verändern kann.
Denn nach vielen Jahren als Coach, Resilienz- und Kommunikationstrainerin bin ich überzeugt:
Wer die Liebessprachen kennt und versteht, kommuniziert tiefer, liebevoller und vor allem wirkungsvoller.
Gary Chapman: Der Mann hinter den Liebessprachen
Gary Chapman ist US-amerikanischer Autor, Seelsorger und Beziehungsberater. Sein Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“ erschien erstmals 1992 und hat sich seitdem weltweit millionenfach verkauft.
Es wurde in über 50 Sprachen übersetzt.
Die Kernaussage ist simpel:
Menschen empfangen und geben Liebe auf ganz unterschiedliche Art und Weise.
Wenn zwei Menschen eine unterschiedliche Liebessprache sprechen, ohne es zu wissen, entstehen Missverständnisse, Frust und das Gefühl, nicht wirklich gesehen zu werden, obwohl beide sich eigentlich bemühen.
Dieser Ansatz ist nicht nur für Paarbeziehungen wertvoll, sondern auch für andere Beziehungen in unserem Leben.
Was sind die 5 Sprachen der Liebe?
Chapman beschreibt fünf unterschiedliche Wege, auf denen Menschen Zuneigung und Wertschätzung ausdrücken und empfangen.
Jeder Mensch hat in der Regel eine primäre Liebessprache – also eine Art, die ihm besonders am Herzen liegt. Die anderen vier spielen natürlich auch eine Rolle, aber eine davon ist für uns besonders bedeutsam.
In meinem Podcast „Kommunikation leben“ gibt es auch eine Podcastfolge über die „5 Sprachen der Liebe“, falls du einmal reinhören möchtest.
Du findest den Podcast auf allen gängigen Podcastkanälen. (Folge 19)
Die Kenntnis der Liebessprachen ist ein echtes Beziehungs-Handwerkszeug, welches du für dich nutzen kannst.
Schauen wir sie uns nun gemeinsam an:
Worte der Anerkennung
Menschen, deren primäre Liebessprache Worte der Anerkennung ist, blühen regelrecht auf, wenn sie ehrliche, aufrichtige Worte hören. Dabei geht es nicht um leeres Lob, das wahllos verteilt wird, sondern um Aufrichtigkeit und um ein konkretes, positives Feedback.
Stell dir vor:
Dein Partner/deine Partnerin hat heute das Abendessen gekocht, obwohl er/sie einen langen Tag hatte.
Statt ein schnelles „Danke“ hinzuwerfen, könntest du sagen: „Ich finde es wirklich schön, dass du dir das heute noch angetan hast. Das Essen war sehr lecker und ich hab mich wirklich gefreut.“
Das ist ein Unterschied. Oder du schreibst deiner Frau/deinem Mann morgens kurz eine Nachricht: „Ich bin so froh, dass du an meiner Seite bist.“ Dieser Satz kostet dich dreißig Sekunden und bleibt aber den ganzen Tag.
Wann hast du zuletzt deiner Partnerin/deinem Partner oder auch deinem Kind wirklich gesagt, was du an ihr oder ihm schätzt?
Nicht zu allgemein, sondern so, dass die andere Person genau weiß, was du meinst?
Zweisamkeit (Quality Time)
Bei dieser Liebessprache geht es nicht um die Menge der gemeinsam verbrachten Zeit, sondern um ihre Qualität.
Menschen mit dieser Liebessprache fühlen sich geliebt, wenn sie die ungeteilte Aufmerksamkeit ihres Gegenübers bekommen. Handy weg, Fernseher aus und einfach miteinander in dem Moment präsent sein.
Was passiert, wenn ein Paar abends zusammen auf dem Sofa sitzt?
Beide schauen auf das jeweilige Handy, beide sind körperlich anwesend, aber emotional ganz weit weg.
Für jemanden mit der Liebessprache „Zweisamkeit“ fühlt sich das wie Einsamkeit an, obwohl der andere direkt daneben sitzt. Was es stattdessen braucht, ist ein Abendessen ohne Bildschirm, ein gemeinsamer Spaziergang, bei dem wirklich miteinander geredet wird, oder auch einfach ein Satz, der zeigt: „Lass uns heute Abend nichts planen und einfach zusammen sein“.
In unserer schnelllebigen Zeit ist das oft die am schwersten zu schenkende Liebessprache und gleichzeitig für viele Menschen die wichtigste.
Es geht nicht darum, dass zwei Menschen in einer Partnerschaft nie mit dem Handy gemeinsam auf der Couch sitzen sollten, aber es ist wichtig, es nicht jeden Abend zu machen.
Plant daher als Paar oder Familie bewusst Zeit ein. Ohne Agenda, ohne To-do-Liste, ohne Ablenkung.
Was wäre ein erster, kleiner Schritt in diese Richtung?
Geschenke und kleine Aufmerksamkeiten
Diese Liebessprache wird leider oft missverstanden und damit vorschnell als „oberflächlich“ abgetan.
Dabei geht es bei Geschenken als Liebessprache überhaupt nicht um einen materiellen Wert. Es geht um die Geste dahinter: „Ich habe an dich gedacht.“
Wenn du auf dem Heimweg bist und dich erinnerst, dass deine Partnerin/dein Partner letzte Woche erwähnt hat, dass die Lieblingskekse gerade aufgebraucht sind. Dann kaufe sie und bringe sie mit, denn das ist für jemanden mit dieser Liebessprache genau die „richtige“ Botschaft: Du bist in meinen Gedanken, auch wenn du nicht dabei bist.
Oder du steckst einen handgeschriebenen Zettel neben den Autoschlüssel: „Ich drücke dir heute ganz fest die Daumen.“ Das braucht keine fünf Minuten und die andere Person fühlt sich gesehen, geliebt und wertgeschätzt.
Wenn du weißt oder vermutest, dass dein Gegenüber diese Liebessprache spricht: Was wäre ein kleines Zeichen, welches du noch diese Woche senden könntest?
Hilfsbereitschaft
Für Menschen mit dieser Liebessprache spricht die Liebe durch Taten.
Wenn jemand ohne viele Worte einfach da ist und hilft, dann fühlen sie sich tief und aufrichtig geliebt. Es ist das gelebte „Ich sehe, was du trägst, und ich nehme dir etwas davon ab.“
Einer von beiden hat eine stressige Woche, drei Termine am Abend, und das Chaos in der Wohnung wächst. Der andere räumt auf, ohne ein Wort darüber zu verlieren, erledigt den Abwasch, bringt die Kinder ins Bett und organisiert einen anstehenden Ausflug.
Keine große Ansage, kein Erwarten von Dankbarkeit, einfach umsetzen und mithelfen. Für jemanden mit dieser Liebessprache ist genau das Liebe in Aktion.
Liebe kann sich so unterschiedlich ausdrücken, und für manche Menschen ist Hilfsbereitschaft und „Mitanpacken“ ein großes Zeichen der Wertschätzung und des Respekts füreinander.
Was lastet deiner Partnerin, deinem Partner gerade besonders auf den Schultern? Und was könntest du – ohne explizit darum gebeten zu werden – einfach übernehmen?
Körperliche Berührung
Körperliche Nähe, Wärme und Zuwendung sind für Menschen mit dieser Liebessprache essenziell. Nicht unbedingt im erotischen Sinne, denn es geht im Alltag auch um Umarmungen, Küsse zur Begrüßung, Hand-in-Hand-Gehen, sich anlehnen können, über den Rücken gestreichelt bekommen, etc…
Wenn dein Partner/deine Partnerin nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt, kurz „Hallo, wie geht’s?“ sagt und weitergeht, dann kann das für jemanden mit dieser Liebessprache sehr schmerzlich sein.
Vielleicht weiß du in diesem Moment, dass es nicht böse gemeint ist, aber ohne körperliche Berührung, wird etwas vermisst und es fühlt sich unvollständig an.
Eine kurze, echte Umarmung zur Begrüßung kann hier mehr ausrichten als ein langes Gespräch.
Oder auch die Hand auf dem Knie beim Autofahren.
Das Streicheln über die Schulter, während jemand am Schreibtisch sitzt.
Kleine Gesten, die sagen: Ich bin hier. Du bist nicht allein.
Interessant ist, dass manche Menschen körperliche Nähe sehr wenig brauchen, anderen ist sie aber das Wichtigste überhaupt.
Du kennst bestimmt auch Menschen, die unbedingt eine innige Umarmung brauchen, wenn man sie begrüßt und anderen ist das gar nicht so wichtig.
Schau dir einmal deine Beziehung an:
Wie körperlich nah seid ihr einander im Alltag, jenseits von Sexualität?
Wann hast du zuletzt eine Berührung bewusst gegeben oder empfangen?
Wie wichtig ist es dir oder deinem Partner/deiner Partnerin?
Warum das alles so wichtig ist – meine Perspektive als Coach
In meiner Arbeit begleite ich Menschen, die sich in ihren Beziehungen unverstanden, einsam oder erschöpft fühlen.
Sehr oft liegt ein Schlüssel zu mehr Harmonie und weniger Konflikten in genau diesem Bewusstsein und der Frage:
Was kann ich tun, damit sich der andere geliebt fühlt, und was brauche ich, um Liebe empfangen zu können?
Stell dir vor, du zeigst deinem Partner/deiner Partnerin deine Liebe immer durch Geschenke und kleine Aufmerksamkeiten (vielleicht, weil das für dich Liebe bedeutet).
Aber seine/ihre Liebessprache ist Zweisamkeit.
Dann wartet die andere Person nicht auf Mitbringsel, sondern darauf, dass du dein Handy weglegst und einfach da bist und ihr gemeinsam etwas macht.
Das ist kein „falsches“ Handeln, sondern fehlende, bzw. mangelnde Übersetzung.
Chapmans Konzept hilft nicht nur in romantischen Paarbeziehungen, sondern auch in Freundschaften und innerhalb der Familie.
Es greift überall dort, wo wir uns mehr Verbindung wünschen und mit diesem Wissen bewusster handeln können.
Wie findest du deine Liebessprachen heraus?
Das ist gar nicht so schwer.
Frag dich selbst:
Womit kann dein Gegenüber dich am meisten verletzen?
Was vermisst du in deiner Beziehung am häufigsten?
Was berührt dich am tiefsten, wenn es dir jemand zeigt?
Die Antworten führen dich oft direkt zu deiner primären Liebessprache.
Frag deinen Partner oder deine Partnerin:
Wann fühlst du dich von mir wirklich geliebt?
Was wünschst du dir öfter von mir?
Das allein kann ein Gespräch in Gang setzen, das vieles verändert.
Ein letzter Gedanke
Die 5 Sprachen der Liebe sind kein Patentrezept.
Sie lösen keine tiefen Verletzungen auf Knopfdruck und ersetzen keine professionelle Begleitung, wenn in der Beziehung mehrere Themen ungeklärt sind.
Aber sie sind ein wunderbares Werkzeug, um bewusster, aufmerksamer und liebevoller miteinander umzugehen.
Wenn du dieses Thema vertiefen möchtest, empfehle ich dir das Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“ von Gary Chapman von Herzen.
Und wenn du spürst, dass in deiner Beziehung mehr steckt, als du gerade fühlen kannst, dann bin ich für dich da.
Ein kostenfreies Erstgespräch ist der erste Schritt.
Herzliche Grüße
https://coaching-ludwig.com/erfuellte-beziehung/