Warum die Frage „Reden oder schweigen?“ so entscheidend ist
„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“
Ein Sprichwort, das wir fast alle kennen – und das viele von uns geprägt hat.
Doch wenn wir ehrlich sind, stehen wir im Alltag oft genau vor dieser Frage:
Reden oder schweigen?
- Wann ist es schlauer, erst einmal abzuwarten oder gleich zu handeln?
- Soll ich etwas ansprechen oder lasse ich es lieber?
- Ist es klüger, still zu sein, um keinen Konflikt zu provozieren?
- Oder schade ich mir selbst, wenn ich meine Gedanken und Gefühle immer wieder zurückhalte?
- Wobei geht es mir besser und was möchte ich mit meiner Handlung erreichen?
Gerade in Beziehungen, im Beruf oder innerhalb der Familie ist diese Entscheidung oft nicht leicht.
Denn Kommunikation ist nie neutral.
Sie kann verbinden – oder trennen.
Sie kann Klarheit schaffen – oder neue Unsicherheit auslösen.
In diesem Artikel möchte ich mit dir etwas genauer hinschauen:
Wann Schweigen tatsächlich Gold wert sein kann, wann es jedoch auch schadet – und warum eine bewusste Kommunikation oft der Schlüssel zu mehr Verbindung, innerem Frieden und gesunden Beziehungen ist.
Der Ursprung des Sprichworts – und warum es nicht immer passt
Das Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ stammt aus einer Zeit, in der Zurückhaltung, Besonnenheit und Anpassung als Tugenden galten.
Schweigen stand für Weisheit, Selbstkontrolle und Respekt.
Und ja – Schweigen kann sehr kraftvoll sein.
Es kann deeskalierend wirken, schützen und den Raum halten, bzw. der anderen Person den Raum geben, um in Ruhe nachzudenken.
Doch das Sprichwort war nie dafür gedacht, die eigenen Gefühle zu unterdrücken, Grenzen bei sich selbst zu übergehen oder Konflikte dauerhaft zu vermeiden.
Genau das passiert heute jedoch häufig.
Viele Menschen schweigen nicht aus einer inneren Klarheit heraus, sondern aus Angst, Unsicherheit oder dem Wunsch nach Harmonie um jeden Preis.
Und genau hier beginnt das Problem.
Wann Schweigen wirklich Gold ist
Es gibt Situationen, in denen Schweigen nicht nur sinnvoll sein kann, sondern echt heilsam.
Schweigen in emotional aufgeladenen Momenten
Wenn Emotionen hochkochen, wenn Wut, Enttäuschung oder Überforderung den Ton angeben, kann Schweigen einen wichtigen Schutzraum bieten.
Nicht, um etwas zu verdrängen – sondern um innezuhalten.
Ein Moment der Stille hilft deinem Nervensystem, sich zu beruhigen.
Er gibt dir Zeit, Gedanken zu sortieren und Worte bewusster zu wählen.
Das Schweigen kann dazu führen, dass du wieder bei dir ankommst und dich gut mit dir selbst verbinden kannst.
Gerade in Konflikten kann Schweigen verhindern, dass du Dinge sagst, die du später bereust.
Schweigen als Form von Mitgefühl
Manchmal brauchen Menschen keine Lösungen und keine klugen Worte – sondern einfach Präsenz, Empathie und das Gefühl, gehört und gesehen zu werden.
Ein stilles Dasein, ein Kopfnicken, ein Zuhören ohne Unterbrechung, ein Aushalten von Gefühlen und ausgesprochenen Gedanken.
Das Schweigen kann in diesen Momenten sagen:
Ich bin da. Du musst nichts erklären.
Ich höre dir zu. Ich fühle mit dir mit.
Das ist keine Sprachlosigkeit, sondern echte Verbindung.
Schweigen, um nicht zu verletzen
Nicht jeder Gedanke muss sofort ausgesprochen werden.
Vor allem dann nicht, wenn er aus einer Kränkung heraus, aus Ärger oder Frustration entsteht.
Schweigen kann hier ein inneres Stoppschild sein, das dich davor bewahrt, etwas zu sagen, das mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt.
In dem Fall macht es Sinn, innezuhalten, abzuwarten und nicht gleich deine ganzen Gedanken in Worte zu packen.
Wann Schweigen jedoch schaden kann
So wertvoll Schweigen sein kann – es hat auch eine Schattenseite.
Schweigen schafft Missverständnisse
Wenn Dinge unausgesprochen bleiben, beginnt das Gedankenkarussell und der andere interpretiert dein Schweigen vielleicht als Ablehnung, Gleichgültigkeit oder Zustimmung.
Und das, obwohl du etwas ganz anderes gemeint hattest.
Es ist nicht immer leicht, die eigenen Gefühle und Gedanken auf den Punkt zu bringen, meines Erachtens aber essenziell wichtig, dies immer wieder zu üben.
Besonders in Beziehungen führt eine fehlende Kommunikation häufig zu Unsicherheit und Distanz.
Dabei gibt es so viele Tools und Hilfetechniken, die uns unterstützen, unsere Gedanken zu strukturieren und dann so zu formulieren, dass der andere sich nicht angegriffen fühlt.
Schweigen raubt Energie
Ungesagte Gedanken verschwinden nicht.
Sie setzen sich fest, und zwar im Kopf, im Bauch, im gesamten Körper.
Und sie kommen immer wieder zum Vorschein, besonders nachts, wenn alles um uns herum, ein wenig zur Ruhe kommt.
Viele Menschen spüren mit der Zeit dann eine innere Unruhe, werden emotional immer erschöpfter und haben das Gefühl, sich selbst zu verlieren.
Nicht, weil sie zu viel reden, sondern weil sie zu viel herunterschlucken.
Schweigen lässt Grenzen verschwimmen
Wenn du immer wieder schweigst, obwohl du eigentlich etwas sagen müsstest, verlieren deine Bedürfnisse an Raum.
Deine Grenzen werden unsichtbar oder sie werden nicht respektiert.
Das ist dann oft ein Teufelskreis, denn je weniger wir das Gefühl haben, dass uns die Kommunikation mit anderen weiterbringt, desto weniger Mut haben wir, für unsere Bedürfnisse einzustehen.
Und es entstehen oft folgende Fragen:
Warum interessiert sich die Person xy eigentlich nicht für das, was mir wichtig ist, oder warum hört mir eigentlich niemand zu?
Wann Reden Gold wert ist
Reden schafft Klarheit
Unklarheit ist einer der größten Energieräuber in Beziehungen und im Arbeitsalltag.
Ein offenes Ansprechen, ein ehrliches Nachfragen oder ein klärendes Gespräch kann Spannungen lösen, bevor sie größer werden.
Ich würde das Sprichwort daher gerne umbenennen ist „Reden ist Gold, Schweigen ist Silber“, denn die Vorteile, etwas anzusprechen, liegen ja auf der Hand.
Denn gerade hier zeigt sich:
Das Reden an sich, ist in der Regel nicht das Problem – eine unklare Kommunikation ist es.
Reden stärkt Beziehungen
Beziehungen leben von Austausch.
Von Gedanken, Gefühlen, Perspektiven und ehrlichem Interesse.
Sobald wir uns einer anderen Person mitteilen, bauen wir Brücken, erzählen wir eine Geschichte, lassen wir sie an unserem Leben ein Stück teilhaben.
Wenn wir schweigen, um Konflikte zu vermeiden, entsteht oft genau das Gegenteil von Harmonie, nämlich Distanz.
Offene Kommunikation in Beziehungen schafft automatisch Nähe, selbst dann, wenn die Themen unangenehm sind.
Wenn du magst, dann höre einmal die Podcastfolge 41 an mit dem Titel „Lässt sich Streit in Beziehungen überhaupt vermeiden?“
Sie gibt dir auch noch einmal eine andere, vielleicht neue Perspektive auf das Thema „Streit und Konflikte“.
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Reden bedeutet Selbstachtung
Wenn du Grenzen, deine Bedürfnisse kommunizieren und deine Wünsche formulieren möchtest, dann brauchst du Worte, eine klare innere Haltung und ein Ziel vor Augen.
– Was möchtest du erreichen?
– Was ist dir wichtig?
– Was möchtest du ganz konkret verändern?
Wenn du Grenzen nicht aussprichst, können andere sie nicht berücksichtigen.
Ich verwende hier so gerne das Bild eines schönen Gartens.
Damit die Menschen nicht auf deine Blumen trampeln, keine Triebe oder den frisch angelegten Rasen kaputtmachen, solltest du immer wieder kleine Wege anlegen oder kleine Schilder aufstellen, damit jeder weiß, wohin er treten darf.
Gestalte deinen Garten bewusst.
Es geht in erster Linie nicht darum, hohe Zäune zu errichten und sich komplett abzugrenzen, sondern es geht um das bewusste Kommunizieren von Informationen, Grenzen und Werten, die deinen inneren Garten schützen.
Zu reden, statt zu schweigen, bedeutet in diesem Zusammenhang auch:
Ich nehme mich selbst ernst.
Ich achte gut auf mich.
Ich trage für meine mentale Gesundheit Verantwortung.
Reden oder schweigen – wie du die richtige Balance findest
Die entscheidende Frage ist nicht, ob Reden oder Schweigen grundsätzlich besser ist.
Sondern:
Was braucht diese Situation gerade?
Was ist in dieser Situation hilfreich, notwendig und wichtig?
Wenn du dir diese Fragen stellst, und Antworten darauf findest, dann wirst du relativ schnell entscheiden können, was die bessere Alternative ist.
Bewusst zu kommunizieren, bedeutet immer auch, die Verantwortung für die eigenen Worte – und auch für das eigene Schweigen – zu übernehmen.
In Beziehungen zeigt sich das besonders deutlich:
Eine Kommunikation auf Augenhöhe heißt auch, dass jeder Verantwortung übernimmt.
Und sie ist entscheidend dafür, ob Nähe wachsen kann oder ob sich langsam Mauern aufbauen.
Mein Fazit: Die Kunst liegt in der Balance und es gibt kein richtig oder falsch
„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ ist keine allgemeingültige Wahrheit.
Manchmal ist Schweigen wertvoller – meistens sind Worte allerdings unverzichtbar.
Die wahre Kunst liegt darin, bewusst zu entscheiden.
Zu spüren, wann Stille schützt – und wann Kommunikation verbindet.
Wenn du lernst, diese Balance immer wieder für dich zu finden, verändert sich nicht nur deine Kommunikation, sondern auch die Beziehung zu dir selbst.
Denn eine bewusste Kommunikation beginnt immer bei dir.
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